La crise du coronavirus nous montre que les alternatives existent

20. Mar 2020 | actualité

Die Reaktionen auf die Bedrohung durch das Coronavirus zeigen eindrücklich, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Krisensituationen bereit sind, einschneidende Massnahmen durchzusetzen und zu akzeptieren. Liegt darin – inmitten des Leids, welches das Coronavirus bringt – auch Hoffnung für eine nachhaltiger gestaltete Zukunft?

Das Coronavirus verändert unseren Alltag massiv. Abläufe müssen angepasst werden, einfaches wird kompliziert, die Welt schrumpft. Angesichts einer dringlichen Krise akzeptieren Wirtschaft und Gesellschaft weitgehende regulatorische Massnahmen. Bietet die Krise also auch eine Chance, um festgefahrene Selbstverständlichkeiten zu überdenken? Und aus dem «business as usual» auszubrechen? Positiv formuliert öffnet die Krise Spielräume, um über eine andere Welt nachzudenken und sie möglich zu machen. Sie demaskiert den von Margret Thatcher geprägten Spruch «There is no alternative» als Makulatur.

In der Arbeitswelt hat sich die letzten Tage und Wochen enorm viel bewegt. Homeoffice und Flexibilisierung der Arbeitszeiten werden dort, wo möglich und sinnvoll, unterstützt und angeregt. Pendlerströme verteilen sich besser über den Tag, die Spitzenbelastungen im öffentlichen Verkehr sinken. Diese Flexibilisierung wird im Zusammenhang mit Klimaschutzmassnahmen bereits seit Jahren gefordert. Nun wird sie angesichts einer anderen Krise Realität.

Es steigt auch die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, mit neuen technologischen Mitteln zu experimentieren, Dialog und Zusammenarbeit innovativ neu zu gestalten. Sitzungen finden online statt, Geschäftsführer, Expertinnen und Vorstände organisieren sich digital und testen zur Verfügung stehende Instrumente. Nun stellt sich die Frage, wie diese Innovationen genutzt werden können, um eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten.

Bei der Umstellung alle mitnehmen

Denn der Übergang zu neuen Abläufen und Prozessen per se sichert nicht die nachhaltige Zukunft. Vielmehr gilt es, kritisch zu beobachten, wie sich die getroffenen Massnahmen auf eine Gemeinschaft auswirken. Besteht das Risiko, dass wir neue Strukturen schaffen, die Einzelne ausschliessen? Oder bestehende, ausschliessende Strukturen digital weiterführen?

Die Frage stellt sich beispielsweise beim improvisierten Wechsel auf Fernunterricht: Nicht alle Kinder verfügen über ein zu Hause, dass die notwendige Infrastruktur und Unterstützung für angeleitetes Selbststudium garantiert. Die Schulen und Bildungspolitiker*innen müssen jetzt Massnahmen ergreifen, die Bildungschancen für alle weiterhin zu sichern, notwendige Infrastruktur bereitzustellen und sich darauf vorbereiten, die entstehenden Bildungslücken später zu schliessen.

Partizipation digital stärken

Mit dem «social distancing» müssen auch Formen der demokratischen Partizipation und der Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure an internationalen Prozessen neu gedacht werden.

Das regionale Forum für nachhaltige Entwicklung zu Europa ist ein gutes Beispiel. Das Forum bringt einmal im Jahr Vertreter*innen von Regierungen und Zivilgesellschaft zusammen, um die Umsetzung der Agenda 2030 zu diskutieren. Eine einmalige Gelegenheit für NGOs, um vor den Augen einer kritischen europäischen Öffentlichkeit ihre Landesvertreter*innen in die Pflicht zu nehmen.

Das Forum hätte dieser Tage am Genfer Sitz der UNO stattfinden sollen. Es wurde zwar nicht verschoben, es wurde aber radikal auf einen halben Tag gekürzt und findet nur in Form eines digitalen Austausches statt. Damit entfällt dieses Jahr dieser Raum für Dialog und kritische Auseinandersetzung weitgehend.

Digitale Alternativen zu internationalen Konferenzen müssen diskutiert werden, gerade auch um die Flüge einzuschränken. Dabei muss aber darauf geachtet werden, dass der neue digitale Raum dazu genutzt werden kann, Vertrauen aufzubauen, eine kritische Auseinandersetzung in einem geschützten Raum zu führen, und insbesondere partizipative und inklusive Prozesse zu stärken.

Rettungspakete für nachhaltige Wirtschaft

Bereits jetzt ist klar:  Infolge der Corona-Krise werden die Klimaemissionen 2020 weltweit zurückgehen. Damit wir nach der Krise nicht gleich neue Höchstwerte erreichen, müssen die Rettungspakete für die Industrie, das Gastgewerbe und den Tourismus, kleine KMU-Dienstleistende, aber auch für die Kreativwirtschaft und die Kulturschaffenden jetzt so geschnürt werden, dass Nachhaltigkeit belohnt wird. Innovative Lösungen müssen dazu beitragen, partizipative und inklusive Gesellschaften zu fördern und niemanden zurück zu lassen. Weichen werden jetzt angesichts einer Pandemie neu gestellt, schauen wir dazu, dass sie in eine nachhaltige Zukunft ausgerichtet werden!

Die globale Corona-Krise ist die Gelegenheit, nachhaltige Bemühungen anzuerkennen und zu unterstützen. Allerdings ist zu befürchten, dass in vielen Ländern Regierungen die bestehende Wirtschaft unterstützen ohne sich um deren Beitrag zu einer nachhaltigen Welt Gedanken zu machen. Die Fluggesellschaften verlangen bereits, die Diskussion um eine Klimasteuer für die Luftfahrt auszusetzen. Regierungen werden versucht sein, Investitionen in erneuerbare und nachhaltige Alternativen zurückzustellen, um im Staatshaushalt freie Mittel zu erspielen. Damit würde die Politik die Chance verspielen, die durch die Krise bestehenden Spielräume für einen Systemwandel zu nutzen.

Die Zukunft wird zeigen, ob wir es schaffen, die Krise als Chance zu nutzen und mit der richtigen Mischung aus Kreativität, Innovation und Regulierung verkrustete Muster aufzubrechen. Die Debatte dazu in Foren, Blogs und Zeitungskommentaren hat begonnen. Wir sind gerne Teil davon!

Dominik Gross
Eva Schmassmann

Plattform Agenda 2030

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